Musik / CD

Feine Sahne Fischfilet: Sturm & DreckHochprozentiger Protest

Gegenwehr in musikalischer Form: Das Punk-Sextett Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern ist die wahrscheinlich bekannteste antifaschistische deutsche Band der Neuzeit. Ihr Erfolg bleibt eine Überraschung in einer Zeit, in der die Mitte zunehmend nach rechts rückt. Sänger Jan "Monchi" Gorkow und seine Kollegen spielen mittlerweile vor Tausenden von Leuten, sie mischen Kneipenromantik mit politischem Engagement und spaßbehaftete Hymnen mit ernsten Pamphleten. Wer sie als talentlose Säufer abstempelt und in der Musik nichts als Gitarrengeschrammel sieht, der unterschätzt die Mannen von der Ostsee. Auch auf ihrem fünften Album "Sturm & Dreck" entwickeln sie mit ihrer rohen Gangart eine beachtliche emotionale Wucht.

Feine Sahne Fischfilet verlieren keine Zeit und kündigen schon mit dem Opener "Zurück in unserer Stadt" einen anstehenden Sturm an: "Lieber ekelhaft, statt Einzelhaft" heißt es da; mit einem brachialen Gitarrenabriss verrichtet die Band ihr großes Geschäft direkt vor der Burschenschaft. Es sind hier keine indizierungswürdigen Zeilen zu hören, beim Verfassungsschutz wird man wahrscheinlich trotzdem kurz aufhorchen. Während der Kampf mit der Staatsmacht und gegen Rechts schon mal ernsthafte Probleme bereiten kann (erst kürzlich stand "Monchi" wegen angeblichen Landfriedensbruchs wieder vor Gericht), nehmen Feine Sahne Fischfilet zumindest die musikalische Kritik mit einem Augenzwinkern auf. Sie kokettieren sogar mit der Außenseiterrolle: "Ich kann immer noch nicht sing' und spiel jetzt bei Rock am Ring", heißt es in dem annähernd perfekten Punk-Song "Alles auf Rausch".

Während Drums und Gitarren meist den Kurs angeben, sind es auch auf "Sturm & Dreck" insbesondere die Fanfaren-artigen Bläser, die Feine Sahne Fischfilet auszeichnen und ihren Sound wieder mit einem Quäntchen Ska veredeln. Trotz des ihnen entgegenschlagenden Hasses bilden die sechs Musiker ein gallisches Dorf, das Widerstand leistet und zurückschlägt. Auf "Angst frisst Seele auf" öffnen sie dann auch die Arme für Gleichgesinnte: "Wenn alle mutlos sind, halten wir uns fest".

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Die zwölf Stücke gönnen dem Hörer keine Pause. Man könnte auch sagen: Sie verlangen ihm viel Energie ab - mehr vielleicht, als die meisten Menschen in den Konsum von Musik investieren möchten. Die hochpolitisierten Songs von Feine Sahne Fischfilet aber brauchen diese Dringlichkeit. "Sturm & Druck" ist wichtig, genauso wie die Auftritte, Lesungen und sonstigen Aktionen, mit der die Band ein Zeichen gegen rechte Gewalt setzen will.

In einem der besten Momente des Albums brüllt "Monchi": "Jeder Mensch braucht ein Zuhause!" Dann kann man gar nicht anders, als zustimmend zu nicken. In den weniger relevanten Phasen geht es mehr um das flüssige Gold als um das politische Ideal ("Ich mag kein Alkohol"). Feine Sahne Fischfilet protestieren laut, aber eben auch sehr launig. Ihre Form der Gegenwehr gibt sich nicht mit wenig zufrieden, verliert aber manchmal den Faden. Um der guten Absichten willen nimmt man es gerne hin.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelSturm & Dreck
Bandname/InterpretFeine Sahne Fischfilet
GenrePunkrock/Ska
Erhältlich ab12.01.2018
LabelAudiolith
VertriebBroken Silence
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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