Kino / Portraits

Was Glück im Alter bedeutet

Christiane Hörbiger wird am 13. Oktober 80 Jahre alt und spielt in "Die Muse des Mörders" (Mo., 8.10., 20.15 Uhr, ZDF) und "Einmal Sohn, immer Sohn" (Fr., 12.10., 20.15 Uhr, ARD)

Die Wiener Diva Christiane Hörbiger vollendet ihr 80. Lebensjahr. Auch in Deutschland ist die Schauspiel-Veteranin ungeheuer populär, wie die Traumquoten ihrer TV-Dramen mit oft schweren Themen in den letzten Jahren bewiesen. Kurz vor dem Ehrentag am 13. Oktober schenken ARD und ZDF der Hörbiger jeweils einen Film: Sie spielt in "Die Muse des Mörders" (Montag, 8.10., 20.15 Uhr, ZDF) und in "Einmal Sohn, immer Sohn" (Freitag, 12.10., 20.15 Uhr, ARD). Im Interview mit Blick aus dem achten Stock eines Luxushotels auf eine sonnendurchflutete Hamburger Alster gewährt die Hörbiger Einblicke in ihr Leben. Sie spricht über die schweren Jahre mit ihrem Sohn - und heutigen Regisseur - Sascha Bigler, der den Vater mit zehn Jahren verlor, und über ihr neues Leben, nachdem auch ihr langjähriger Partner Gerhard Tötschinger im August 2016 überraschend verstorben ist.

teleschau: In der Vergangenheit gab es zu Ihren Geburtstagen oft heftige Problemfilme zu sehen ...

Christiane Hörbiger: Ja, das hatte sich so ergeben. Ich habe irgendwann zu meinem wunderbaren Produzenten und Freund Markus Trebitsch gesagt: "Wir haben jetzt alles gemacht. Ich war Säuferin, an Alzheimer erkrankt, ich steckte in der Altersarmut. Was willst du denn noch mit mir? Mich auf den Friedhof bringen?" Ja, hieß es dann. Und das war dann der Film "Die letzte Reise" (2017, ARD, d. Red) über selbstbestimmtes Sterben.

teleschau: Haben Sie deshalb, vielleicht um sich von den existenziellen Themen zu erholen, nun einen Krimi und eine Komödie gedreht?

Christiane Hörbiger: Ich liebe Lustspiele, wenn sie gut gemacht sind. Wobei der Krimi ist ja recht düster ist, transportiert aber auch schönen, schwarzen Humor. "Einmal Sohn, immer Sohn", die Komödie, habe ich ja nun erst vor kurzem abgedreht. In Hamburg, einer wunderschönen Stadt, in der ich immer wieder gerne bin. Die Menschen sind zurückhaltend, aber sehr freundlich. Im Hotel erinnern sich die Leute an mich, sie lassen mich aber auch in Ruhe. Das ist eine Kombination, die ich sehr schätze.

mehr Bilder

teleschau: Inwiefern unterscheidet sich Hamburg von Ihrer Heimatstadt Wien?

Christiane Hörbiger: Es fällt mir schwer, Wien neutral einzuschätzen. An die Wiener bin ich gewöhnt und sie an mich. Insofern werde ich in Ruhe gelassen, außer wenn deutsche Touristen da sind (lacht). Wien ist eine sehr charmante Stadt, aber die Menschen kommen mir manchmal fast zu nahe, weil ich eine von ihnen bin. In Sachen Charme und Lebensfreude bietet Wien allerdings schon eine einzigartige Atmosphäre. Es ist jedenfalls wunderschön dort.

teleschau: Der Krimi "Die Muse des Mörder" entstand in Österreich unter der Regie Ihres Sohnes Sascha Bigler. Eine besondere Konstellation?

Christiane Hörbiger: Natürlich war das besonders, weil ich einfach sehr gern mit Sascha arbeite. Sie werden lachen: Sonst ist er nie so freundlich zu mir wie als Regisseur. Als Schauspielerin trägt er mich auf Händen. Im Privatleben muss ich oft warten, bis er zurückruft. Insofern ist er natürlich mein Lieblingsregisseur (lacht).

teleschau: Haben Sie sich Ihren Sohn als Regisseur zum Geburtstag ausgesucht?

Christiane Hörbiger: Die Produzenten wissen natürlich, dass ich gern mit ihm arbeite. Er ist aber auch ein toller Regisseur, abseits unseres besonderen Verhältnisses. Man merkt, dass er in Amerika ausgebildet wurde.

teleschau: "Einmal Sohn, immer Sohn" und "Die Muse des Mörders" erzählen beide von einer Mutter und Ihrem erwachsenen Sohn. Kommen Ihnen bei diesem Thema eher lustige oder sorgenvolle Gedanken in den Sinn?

Christiane Hörbiger: Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn hält immer beides bereit. Eine sorgenvolle, überbehütende Mutter ist ja an sich schon komisch. Meist auch ein bisschen tragikomisch. Vor allem, wenn der Sohn längst schon erwachsen ist.

teleschau: Waren Sie eine überbehütende Mutter?

Christiane Hörbiger: Nein, dazu hatte ich es zu schwer. Der Vater vom Sascha ist ganz überraschend am Herzinfarkt gestorben, als er zehn Jahre alt war. Danach haben wir harte Jahre durchgemacht. Ich spielte in Zürich Theater, davon lebten wir. Ich habe intensiv gearbeitet. Außerdem war ich keine Schweizerin, also nicht daheim mit meinem Kind.

teleschau: Sie hatten sozusagen keine Zeit, eine überbesorgte Mutter zu sein?

Christiane Hörbiger: Ja, ich musste Geld verdienen. Andererseits rückt man in einer solchen Situation eng zusammen. Aber Sascha hat das toll gemacht. Es tut gut, als Mutter im Alter zu sehen, dass alles verhältnismäßig gut gelaufen ist.

teleschau: Nun feiern Sie Ihren 80. Geburtstag. Viele Menschen, die ein höheres Alter erreichen, finden es irgendwie unglaubwürdig und fast surreal, dass sie schon so alt sind. Kennen Sie dieses Gefühl?

Christiane Hörbiger: Nein, ich fühle mich normal. Ich bin so alt, wie ich bin. Solange ich gesund bleibe, macht mir das Alter nichts aus. Ich beobachte, dass ich vorsichtiger geworden bin, weil ich nicht stolpern und mir nichts brechen möchte. In dieser Beziehung merke ich das Älterwerden. Dass man bedachter mit den Bewegungen wird. Ich weiß es mittlerweile sehr zu schätzen, dass ich diese Beweglichkeit noch habe.

teleschau: Was hält Sie fit - wissen Sie das?

Christiane Hörbiger: Ich habe zwei tolle Hunde. Möpse. Die beiden sind, nach dem Tod meines Mannes, so ein bisschen meine Familie. Mein Sohn Sascha lebt ja die Hälfte des Jahres in Amerika. Mit meinen Hunden bin ich zwar alleine, aber nicht einsam.

teleschau: Führen Sie Ihre Hunde selbst aus?

Christiane Hörbiger: Natürlich, das ist Teil des Fitness-Programms. Die Tiere halten mich aktiv. Wobei ich, vor allem bei dem einen, aufpassen muss, dass er mich nicht zu sehr vor sich herzieht. Nicht, dass ich am Ende noch auf die Nase falle.

teleschau: In Ihrer Nachbarschaft kann man Sie also regelmäßig beim Gassi gehen treffen?

Christiane Hörbiger: Ja, ganz früh am Morgen schon. Ich möchte ja nicht, dass die Hunde ihren Bedürfnissen in meiner Wohnung nachgehen.

teleschau: Und werden Sie dann auch angesprochen?

Christiane Hörbiger: Ja, das kommt vor. Die Leute erkennen mich leider. Selbst dann, wenn ich ungeschminkt bin und vielleicht eine Brille aufhabe. Die Menschen erkennen mich an den Möpsen (lacht).

teleschau: Wie stark ist Ihr Bedürfnis, noch weiterzuarbeiten? Denken Sie über einen Abschied von der Schauspielerei nach?

Christiane Hörbiger: Das ist eine gute Frage (denkt lange nach). Ich habe ein bisschen ans Aufhören gedacht. Andererseits möchte ich auch nicht zu bequem werden. Wer rastet, der rostet - sagt man. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, dass ich im nächsten Sommer nicht nur vier Wochen an den Wolfgangsee fahren, sondern die Wohnung dort für zwei Monate mieten will.

teleschau: Fühlen Sie sich erholter, wenn Sie mehr ausruhen?

Christiane Hörbiger: Ich glaube, ja. Wer nicht?

teleschau: Wie füllen Sie Ihre Zeit, wenn Sie zwei Monate Urlaub machen?

Christiane Hörbiger: Ich mache gar nichts. Auf der Terrasse sitze ich dann und schaue nach links auf den See, von wo die Schiffe kommen. Blicke ich nach rechts, sehe ich einen Parkplatz, auf dem viele Camper stehen oder auch Bekannte vorbeilaufen. Meine Hunde bellen hinunter, wenn einer ihrer Artgenossen auftaucht. Um Punkt neun kommt der erste Dampfer von St. Wolfgang herüber. Dann nehme ich meine Zeitung. Später kommen wieder die Hunde dran. Mit denen gehe ich in den großen, wunderschönen Park, den ich mitbenutzen darf - obwohl er einer Familie gehört. Ich bin kein Mensch, der sich langweilt. Oder einer, der Trübsal bläst. Wenn ich in der Sonne sitzen darf, macht mich allein das schon glücklich.

teleschau: Aber wollen Sie denn nun ganz aufhören?

Christiane Hörbiger: Ich weiß es nicht. Es kommt darauf an. Wenn mein Sohn Regie führen würde, mache ich wahrscheinlich noch mal etwas. Ich arbeite einfach zu gern mit ihm ...

teleschau: Das heißt aber, momentan gibt es keine neuen Projekte?

Christiane Hörbiger: Nein, aber Markus Trebitsch hat, wie er sagt, ein paar Sachen in Vorbereitung. Wenn das Buch gut ist und er mich überzeugen kann, werde ich natürlich alle Urlaubs- und Ruhestandspläne über den Haufen werfen und wieder hier sitzen (lacht).

teleschau: Wollen Sie noch etwas erleben, das bisher unerfüllt blieb?

Christiane Hörbiger: Ja, ich will auf einem Schiff von New York nach Hamburg fahren. Das habe ich wohl auch mal in einem Interview gesagt. Daraufhin hat mich eine Reederei eingeladen, eine solche Reise zu unternehmen.

teleschau: Warum gerade in diese Richtung - von der neuen in die alte Welt?

Christiane Hörbiger: Weil ich Amerika im Rücken lassen und nach Hause fahren möchte. Wenn man alt ist, macht einen das Gefühl, nach Hause zu kommen, einfach sehr zufrieden.

Eric Leimann

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

Versenden Drucken

Weitere Artikel


Film-Starts

Film-Archiv

Suche im Radio Euskirchen Film-Archiv anhand eines Titels oder eines Darstellers nach Filmkritiken.

  
DVD-Filme

Erfahre mehr über die neu erschienenen DVDs in den aktuellen Besprechungen.

Ticketshop

Sicher Dir im Radio Euskirchen Ticketshop die Tickets Deiner Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite