
Wie die Bonner Polizei auf Radio Euskirchen-Nachfrage bestätigt hat, waren rund 210 Einsatzkräfte im Einsatz. Sie durchsuchten nicht nur mehrere Gebäudebereiche der JVA in Euskirchen, sondern auch mehrere Wohnungen bei uns im Kreis Euskirchen, im Rhein-Erft-Kreis, im Kreis Ahrweiler und in Leverkusen, sowie ein zugehöriges Büro der JVA Euskirchen im Amtsgericht. Hintergrund sind demnach mehrmonatige Ermittlungen gegen sieben männliche Justizvollzugsbeamte, eine weibliche Beamtin und drei ehemals in der JVA inhaftierte Männer.
Ausgang und Hafturlaub ermöglicht?
Der Vorwurf lautet „Begehung von Amtsdelikten“- gemeint ist, dass die Justizvollzugsbeamten den Inhaftierten verschiedene Lockerungen des Vollzugs, wie z.B. Ausgang oder Hafturlaub gewährt haben sollen – gegen Bezahlung. Außerdem sollen sie ihnen Infos über anstehende Kontrollen gegeben haben.
Bei den Durchsuchungen wurden Handys und Dokumente sichergestellt. Außerdem wurden alle Beschuldigten zur Vernehmung mitgenommen. Wie ein Polizeisprecher bestätigte, gibt es aber aktuell keine Haftbefehle gegen sie. Allerdings seien Disziplinarverfahren eingeleitet worden, alle seien suspendiert, teilte ein Sprecher des Justizministeriums mit.
Justizminister ordnet Untersuchungen an
«Wir nehmen die Angelegenheit außerordentlich ernst. Die Vorwürfe wiegen schwer», sagte NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne). Sogar die nachträgliche Fälschung von Anwesenheitsdaten stehe im Raum. Er habe zusätzlich zu den strafrechtlichen Ermittlungen eine interne Untersuchung angeordnet und werde in der kommenden Woche den Rechtsausschuss des Landtags über die Vorgänge informieren, die sich über mehrere Jahre erstreckt haben sollen.
Einer der acht beschuldigten Gefängnismitarbeiter habe eine verantwortliche Position inne, zähle aber nicht zur Anstaltsleitung.