Games / Spieletests

God of WarOh Gott, Papa!

Neuanfang weit weg vom Olymp: Wutgrieche Kratos wildert im Reboot von Sonys "God of War"-Reihe nun in der nordischen Sagenwelt - und schlägt dabei nicht nur Riesenköpfe ein, sondern als Vaterfigur auch überraschend ruhige Töne an.

"God of War" ohne brachial-brutales Gamepad-Gehämmere - geht das überhaupt? In seinem vierten Einsatz ist Sonys Spartaner Kratos zwar nicht unbedingt altersmilde geworden, aber immerhin ein bisschen kampfmüde.

Kein Wunder: In Teil drei der millionenfach verkauften Action-Reihe massakrierte er das gesamte griechische Götter-Pantheon - und auf den überlangen Wutanfall folgte sein vermeintlicher Tod. Im Nachfolger wird man nun mit einem merklich gealterten Kratos konfrontiert. Jahrelanges Exil im eisigen Norden habt sein infernalisches Gemüt abgekühlt. Aber gut meint es das Schicksal mit ihm noch immer nicht. Einmal mehr beklagt der Sohn des Zeus den Tod einer liebevollen Gefährtin. Und der gemeinsame Nachwuchs entpuppt sich als kränkliches, jähzorniges Sorgenkind. Als der "God of War" schließlich von seiner Vergangenheit eingeholt wird, folgt eine Odyssee durch die von Monstern, Riesen und mythischen Kreaturen bevölkerte Sagenwelt Midgard. In deren Verlauf muss sich Kratos als Vater, Action-Gott, Rätsel-Experte und sogar Rollenspiel-Held beweisen ...

Die Integration des griechischen Asylanten in den nordischen Fantasy-Kosmos ist nur bedingt gelungen: Kratos interessiert sich für seine Exil-Heimat kein bisschen. Stattdessen überlässt er es Sohnemann Atreus, all die Runen, Schriften, Rätsel und Götzenbilder zu interpretieren, denen die beiden auf ihrer Reise zum höchsten Berggipfel im Lande begegnen. Dort oben wollen sie die Asche der verstorbenen Frau und Mutter verstreuen. Schnell wird klar: Mit der Vaterrolle fühlt sich der grummelige Kriegsgott a.D. anfangs mehr überfordert als beim Gefecht gegen haushohe Trolle oder Frost-spuckende Eisriesen.

Doch auch im Kampf gegen allerlei Bestien ist Kratos etwas aus der Übung: Seine Kettenklingen hat er in Griechenland gelassen, stattdessen schwingt er jetzt eine wuchtige Axt, die sich in die Ferne schleudern lässt und auf magische Weise zurückkommt. So wie der Hammer in Marvels "Thor"-Verfilmungen.

mehr Bilder

Je intensiver sich der Halbgott dem Verprügeln von Monstrositäten widmet, desto mehr Erfahrungspunkte, Talismane und Ausrüstungsverbesserungen bekommt er, die ihn zu einer noch tödlicheren Kampfmaschine machen. An dieser Stelle ähnelt das neue "God of War" eher einem Rollenspiel oder Adventure als einer Action-Orgie. Auch das Spieltempo hat Entwickler Sony Santa Monica merklich reduziert: Wo früher im Sekundentakt geprügelt, gesäbelt und filetiert wurde, gibt sich das Abenteuer im hohen Norden betont entschleunigt. Sony gönnt dem Vater-Sohn-Duo reichlich Ruhepausen, in denen es die prachtvoll gestaltete Sagenwelt erkunden und dabei außerdem seine heikle Beziehung aufarbeiten kann.

Außerdem genießen die beiden Helden ungewohnt viel Bewegungsfreiheit: Das neue "God of War" ist kein Open-World-Spiel, aber die auf einer umfangreichen Landkarte markierten Orte verzweigen sich, halten umfangreiche Nebenmissionen bereit und können häufig noch mal besucht werden. Denn: Viele Pforten und geheime Pfade werden erst zugänglich, wenn Vater und Sohn dazu gelernt haben.

Auch sonst unterscheidet sich das neue "God of War" drastisch von den völlig überzogen inszenierten Gewaltexzessen der PS2- und PS3-Ära: Die Kamera sitzt dem alternden Helden im Nacken, um den Exkurs zwischen verschneiten Ruinen, finsteren Grotten und nordischem Gehölz so unmittelbar und eindrucksvoll wie möglich einzufangen. Wird Kratos von tobenden Trollen oder Eiskreaturen herausgefordert, wehrt sich der altgediente Kämpfer mit wuchtigen Faust- oder Axthieben, während er bei Angriffen hinter seinem Schild in Deckung geht. Spezialmanöver beherrscht er noch immer, aber die wollen zuvor mithilfe von Erfahrungspunkten erlernt werden und fallen außerdem wesentlich weniger komplex aus als gewohnt.

Trotzdem ist die Reise durch Midgard kein Zuckerschlecken: Wer das Abenteuer nicht gerade auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ("Story-Erfahrung") bestreitet, muss sich bei jedem Feind ganz genau überlegen, wie und wo er den "Stier" bei den Hörnern packt. Verblüffend außerdem, wie nah und intensiv man die Gefechte diesmal erlebt: In "God of War" wird jedes noch so kleine Gefecht zum gnadenlosen, dreckigen Duell. Als überraschend nützlich erweist sich dabei der nur auf den ersten Blick schmächtige Sidekick Atreus: Kratos' Sohn spickt auf Tastenkommando die Feinde mit Pfeilen - bei besonders dicken Brocken ein willkommenes Ablenkungsmanöver.

Obwohl "God of War" vor allem durch seine prachtvolle und mitunter erstaunlich gefühlvolle Inszenierung punktet, ist die vielleicht größte Errungenschaft des Abenteuers, dass es all seine göttlichen Qualitäten ohne jede Ladepause und Schnitt auf die Mattscheibe zaubert: Die Reise von Vater und Sohn ist von Anfang bis Ende eine einzige große, den Spieler in endloses Staunen versetzende Kamerafahrt. Darüber hinaus schiebt "God of War" fast alles zur Seite, was von der kraftvollen Präsentation seiner Spielwelt oder ihrer Akteure ablenken würde - dazu zählen Szenenwechsel und Ladebalken-Screens ebenso wie plumpes Manöver-Pauken. Das Resultat ist ein Blickfang, an dem sich künftige Blockbuster-Games werden messen müssen.

Schade nur, dass sich der Titel immer wieder in seinen fein verästelten und dicht mit Mikro-Feinschrift zugepackten Menüs verliert: Waffen-Upgrades, Fertigkeiten und das Verbessern oder Herstellen von Ausrüstungsgegenständen sind zwar zeitgemäß umgesetzt - aber ihre Integration ins Spiel ist zu buchhalterisch ausgefallen. An dieser Stelle wäre weniger mehr gewesen, denn Sonys Action-Abenteuer lebt nicht von seinem Regelwerk, sondern dem Erlebnis-Faktor und einer Intensität, wie man sie in viel zu wenigen Games spürt: Obwohl Kratos gelernt hat, seine Wut zu bändigen, ist sie doch allgegenwärtig - immer unter der Oberfläche brodelnd.

"God of War" ist nicht nur der systemübergreifend schönste Action-Titel derzeit. Es ist vor allem pure, energiegeladene Spielfreude. Eine Spielfreude übrigens, von der Besitzer des Pro-Modells besonders viel haben: Auf einem 4K-Fernseher oder unter 1080p und mit Supersampling entfaltet Kratos seine ganze bestialische Wucht.

Robert Bannert

Game
SpielnameGod of War
HerstellerSony
VertriebSony
Erhältlich ab20.04.2018
Bewertung Gesamtsehr gut

Erhältlich für:
PlayStation

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel


Ticketshop

Sicher Dir im Radio Euskirchen Ticketshop die Tickets Deiner Wunschveranstaltung!

Mitarbeiter

Hier sind die Menschen hinter den Stimmen. Jung, alt, blond, schwarz? Fotos zeigen die ganze Wahrheit.

Anzeige
Zur Startseite