Musik / CD

Manic Street Preachers: Resistance Is FutileDas Morgen im Gestern

Es gibt sie immer wieder, und es werden immer mehr: Diese Bands von langjährigem Bestehen, die sich nicht auf ihrem kreativen Zenit aufgelöst haben, sondern stattdessen noch Jahrzehnte lang mit halbgaren Ideen durchs Musik-Mittelfeld dümpeln. So raunen sich auch Fans der Manic Street Preachers gerne zu, es hätte schon 1996 nach "Everything Must Go" Schluss sein sollen. Nach dem Album also, mit dem die Waliser sich von glamourösen Punk-Anleihen hin zu souligem Wohlfühl-Rock weiterentwickelten. 22 Jahre später knüpfen die Preachers mit "Resistance Is Futile" wieder an diese Phase an.

Aus schnittigen Britpop-Gitarren und spielerischen Stadion-Synthesizern sezieren die Manics ihre süßen Melodiebögen für zwölf Mitklatsch-Arrangements, die sich zwischen den träumerischen Hybrid-Hymnen eines David Bowie und der Arbeiterklassen-Romantik von The Clash platzieren. James Dean Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore hatten ihre neue LP bereits vor Monaten als "Melancholie im Leinwandformat" angekündigt. Gleichzeitig ist "Resistance Is Futile" auch wieder ein typisches Preachers-Album. Nach den durchwachsenen Werken der letzten Jahre (inklusive Prä-Brexit-Europa-Tümelei) widmet man sich nun vor allem Themen wie Verlust, Erinnerungen und eben auch dem titelgebendem Widerstand, um den es einst schon beim Debüt "Generation Terrorists" (1992) gegangen war.

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Der Seele der Manic Street Preachers wohnte stets eine Tendenz zum Trübsinn inne, was bereits im Opener "A Song For The Sadness", einer Art Pet-Shop-Boys-Arie im Indie-Pelz, zum Ausdruck kommt. Später zeigt es sich auch wieder in "Left Behind", wenn der walisische Kater des Brexit-Votums mit den Zeilen "Waiting for the end of time / Waiting to be left behind" resignierend nachgezeichnet wird. Die Manics kombinieren wie gewohnt große Melodien mit der ureigenen Spezialität, komplexe Sachverhalte in griffige Slogans zu gießen: "People get tired, people get old / People get forgotten, people get sold". Das Morgen ist umrahmt im Gestern.

Im Fahrwasser aus Zitaten und Referenzen ("In Enternity" huldigt David Bowie, "Vivian" erinnert an die ikonische Fotografin Vivian Maier) changiert das Album zwischen kitschiger Kneipen-Chor-Ästhetik und nachdenklicher Indie-Rock-Haltung - das klassische Terrain jener Band, die Ende der 80-er schwerlastigen Gitarren-Rock wieder populär machen wollte. "Resistance Is Futile" ist am Ende keine Neuerfindung, wie man es nach dem Studioumzug im heimatlichen Cardiff vielleicht erwartet hätte, sondern eher eine Rückbesinnung, die die Neuerung in der Nostalgie sucht - und die ist eben oft unwiderstehlich.

Fionn Birr

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelResistance Is Futile
Bandname/InterpretManic Street Preachers
Erhältlich ab13.04.2018
LabelSmi Col
VertriebSony Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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