Musik / CD

Eels: The DeconstructionAuf der Couch

Als langjähriger Wegbegleiter der Eels zuckt man angesichts eines Albumtitels wie "The Deconstrucion" doch ein wenig zusammen. Will Mark Oliver Everett, Kopf und einziges Dauermitglied der amerikanischen Band, sich da wirklich in seine Einzelteile zerlegen, noch tiefer als sonst blicken lassen in sein Seelenleben? "The Deconstruction has begun / Time for me to fall apart", singt Everett im Titeltrack. Schluck. Schließlich hatte der 54-Jährige seit der zweiten Eels-Platte "Electro-Shock Blues" immer wieder Intimstes preisgegeben, vom Selbstmord seiner Schwester gesungen, vom Krebs seiner Mutter, dem Tod des Vaters, dem Moment, als seine Cousine am 11. September im falschen Flugzeug saß.

Die Entwarnung kam dann mit dem ersten Video zum neuen Album. Im Film zu "Today Is The Day", einem außergewöhnlich vergnüglichen Lied, springt ein quietschfideler Mann durch die Straßen einer amerikanischen Kleinstadt, um seiner Oma einen Besuch abzustatten. Herzallerliebst. "Today is the day, it starts right here / Don't got a thing to worry about now", singt Everett dazu. Alles noch mal gut gegangen, Everett im Stimmungshoch. Wobei, Moment - genau: Das ist doch der Eels-Chef höchstselbst, der da in einer schwarzen Limousine plötzlich durchs Video fährt. "Get out of the fucking road", motzt er den vergnügten Mann im Karohemd an. So viel Kauzigkeit muss dann doch sein.

Musikalisch ist Everett auch auf "The Deconstruction" seinem Stil treu geblieben, den er spätestens mit seinem epischen Großwerk "Blinking Lights And Other Revelations" (2005) perfektioniert hatte. Diese manisch-depressive Mischung aus Melancholie und Euphorie, die auf absurde Weise auch in ihren düstersten Momenten glücklich macht, diese Verbindung von Garagenrock und Folk, gepaart mit ein paar mäandernde Geigen und fein eingestreuten Verzerrungen - man findet all das auch hier, auf Studioalbum Nummer zwölf, dem ersten nach vier Jahren Pause übrigens. Nichts Neues also, aber wen juckt's. Ein bisschen altmodisch war Everett schon immer.

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Mit "Sweet Scorched Earth" findet sich gar noch ein veritables Liebeslied auf "The Deconstruction". "I love the way your hair falls on your eyes", schmachtet Everett, vor nicht allzu langer Zeit Vater geworden, zu lieblichsten Geigenklängen, "I love that you're my best friend and my wife. And I love my little family and my life." Fast ginge einem da das Herz auf - wüsste man nicht, dass auch diese Liebe wieder Geschichte ist. Nirgends liegen großes Glück und tiefe Trauer eben so nahe beieinander wie im Schaffen der Eels.

Die Eels auf Tour:

17. Juni: Mannheim, Maifeld Derby

25. Juni: München, Tonhalle

26. Juni: Köln, E-Werk

28. Juni: Berlin, Tempodrom

29. Juni: Hamburg, Mehr! Theater

Sven Hauberg

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelThe Deconstruction
Bandname/InterpretEels
Erhältlich ab06.04.2018
LabelPIAS / E-Works
VertriebRough Trade
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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