Musik / Backstage

Von der goldenen Mitte her betrachtet

über Trennungsschmerz, die Hochzeiten anderer Leute und ihr neues Album "Golden"

Kann das wirklich wahr sein? Kylie Minogue wird am 28. Mai 50 Jahre alt. Wenn man mal von ein paar winzigen Augenfältchen absieht, sieht man ihr das Alter allerdings nicht an. In rosa Rüschenbluse und gestreifter Clochard-Hose sitzt die australisch-britische Sängerin und Schauspielerin im Berliner Soho-House und strahlt wie die Sonne. Mit "Golden" veröffentlicht die 1,52 Meter große Künstlerin ihr 14. Studio-Album, begleitend kommt ein Auftritt bei der Echo-Verleihung (11. April) hinzu. Im Interview erzählt Kylie von ihrem Besuch in Nashville, ihrer geplatzten Hochzeit und warum sie für Prince Harry ihr Fähnchen in den Wind hält.

teleschau: Mrs. Minogue, am 28. Mai feiern Sie Ihren 50. Geburtstag. Wie fühlt sich das für Sie an?

Kylie Minogue: Ich fühle mich recht wohl mit meinem Alter. Und ich bin realistisch dahingehend, wo ich im Leben stehe. Im Titel-Song der neuen Platte gibt es die Zeile: "Wir sind nicht jung, wir sind nicht alt. Wir sind 'Golden'!" Monatelang spukte das in meinem Kopf herum. Denn genau so fühlt es sich mit 50 an: Ich bin irgendwo dazwischen.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Minogue: Es gibt Tage, da fühle ich mich wie 25 - sowohl vom Energielevel her als auch hinsichtlich der geistigen Reife. An anderen Tagen habe ich das Gefühl, ich würde die Last einer 125-Jährigen auf meinen Schultern tragen.

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teleschau: Fällt das Altern als weiblicher Popstar besonders schwer?

Minogue: Das wird ja gerne behauptet. Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist: Ich fühle mich heute definitiv besser als noch vor einigen Jahren - viel positiver und entspannter mit mir selbst.

teleschau: Und wenn Sie irgendwann nicht mehr in den "Sexiest Woman Alive"-Listen der Männer-Magazine auftauchen ..?

Minogue: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber schönen Dank auch für den Hinweis! (lacht) Doch wer weiß: Vielleicht machen die Herren für mich eine 50-Plus-Kategorie auf?

teleschau: Wie werden Sie denn Ihren Ehrentag feiern?

Minogue: Mit einer großen Party in London! Normalerweise drücke ich mich an meinem Geburtstag immer davor und belasse es bei einem Abendessen mit Freunden. Aber bei der 50 ist es anders. Diesmal gibt es eine Party in XL.

teleschau: In einigen Songs der neuen Platte thematisieren Sie Liebeskummer. Mussten Sie sich nach der Trennung von Ihrem Verlobten Joshua Sasse etwas von der Seele schreiben?

Minogue: Nun ja, ich habe viel Mist in Liebesdingen erlebt. 2016 war kein gutes Jahr für mich - aber irgendwie hatte ich ohnehin das Gefühl, dass die Hochzeit nicht passieren würde. Schlimm war, sich selbst verloren zu haben, sich alleine und hilflos zu fühlen. Die Arbeit im Studio war da wie eine Therapie für mich.

teleschau: Immerhin: Prince Harry heiratet dieses Jahr!

Minogue: Glückwunsch an ihn! Ich habe ihn zwar getroffen, kann aber nicht behaupten, dass ich ihn besonders gut kenne. Ich weiß noch, wie ich als Zwölfjährige das erste Mal in England mit der Familie Urlaub machte. Damals war gerade die Hochzeit von Charles und Diana, und die Briten druckten ihre Gesichter auf T-Shirts und Becher. Ich habe das damals nicht verstanden. Aber 2012 war ich involviert in die Zeremonie zum Thronjubiläum der Queen. Alle wedelten mit ihren kleinen Union-Jack-Fähnchen. Das hatte ich zuvor noch nicht erlebt, aber der Spirit hat mich echt getragen. Dasselbe erhoffe ich mir von Harrys Hochzeit. Ich werde für ihn auch das Fähnchen schwenken. Ich liebe die Hochzeiten anderer Leute! Nur mit meiner eigenen ist das etwas schwierig.

teleschau: Denken Sie, dass Ihre Karriere Anteil daran hatte, dass es privat nicht immer rund lief?

Minogue: Definitiv. Meine Karriere war und ist ein konstanter Motor und eine Leidenschaft in meinem Leben, für den ich den Großteil meiner Zeit opfere. Aber wenn ich mich verliebe, dann schaffe ich es, alles zu ändern. Ich entschlacke meinen Terminplan, schiebe Verpflichtungen hin und her, damit es passt. Denn ich bin immer noch eine Romantikerin.

teleschau: Sie haben also die Liebe noch nicht aufgegeben?

Minogue: Natürlich nicht. Wir müssen Hoffnung haben! Ich habe meine Hoffnung nie verloren. Für manche Leute ist diese Phase ihres Lebens sogar besonders gut, um einen Partner zu finden, weil sie besser wissen, wer sie sind. Andererseits wird es nicht unbedingt einfacher, wenn man sich sein Leben bereits so eingerichtet hat, wie es einem gefällt.

teleschau: Und Ihr Leben ist ein sehr spezielles ...

Minogue: Auf gewisse Art schon. Manchmal ist mein Leben aber auch sehr gewöhnlich. Im Alltag muss ich die gleichen Dinge tun wie jeder andere auch: Vom Müllrausbringen bis zum Einkaufen ist alles dabei. Aber das ist gut, auch für den Job. Ich habe diesmal viel darüber nachgedacht, was die Lieder wohl anderen Menschen bedeuten werden. Und ich freue mich, dass viele sich mit den Texten und Themen der Platte identifizieren können. Denn es ist mein bisher menschlichstes Album.

teleschau: Aber warum machen Sie jetzt Country-Disco-Pop?

Minogue: Wir wollten eine neue Richtung für den Sound finden. Irgendjemand schlug vor, dass ich mich mal in Nashville umsehen sollte. Ich war sofort Feuer und Flamme für die Idee. Dieser Ort ist tatsächlich magisch. In allen Cafés und Clubs triffst du auf junge Liedermacher, die von ihrer Musik erzählen, und das Publikum hört aufmerksam zu. Die Zeit dort war unglaublich inspirierend für mich. Und ein paar Songs sprangen auch dabei heraus.

teleschau: Es gibt noch ein weiteres Jubiläum dieses Jahr: 2018 ist es 30 Jahre her, dass Ihr Debütalbum "Kylie" erschien. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Minogue: Ich war noch sehr grün hinter den Ohren und total nervös. Ich tat einfach, was mir die Produzenten sagten. Es war nicht so weit entfernt von dem, was ich bei der Seifenoper "Nachbarn" machte, wo es immer hieß: Lerne deine Zeilen, sage sie auf, und weiter geht's mit der nächsten Szene. Alles musste schnell passieren.

teleschau: Es waren Ihre ersten Gesangsaufnahmen?

Minogue: Ich war zwar zuvor schon öfter im Aufnahmestudio gewesen, aber nie mit der Ansage, ein Album aufzunehmen. Ich bemühte mich, trotz der Aufregung gut zu sein. Es waren nur zwei Termine in London, und schon war die Platte im Kasten. Das Produzententeam von Stock Aitken Waterman arbeitetet sehr schnell. Die sagten nur: "So, hier sind die Texte, dann sing mal." Nach ein paar Jahren frustrierte mich das, ich wollte mehr eingebunden werden in den Prozess, ich wollte nicht mehr nur Marionette sein. Wenn ich mich zurückerinnere an die Kylie von damals, denke ich: Oh, was für ein Baby sie war. Sehr niedlich!

teleschau: Sie standen über Jahre für glamourösen Pop, der Song "Live A Little" legt allerdings die Vermutung nahe, dass Sie eigentlich von einem bodenständigen Leben träumen.

Minogue: Manchmal träume ich in der Tat davon, einfach alles loszulassen und auszusteigen. Das hier, die Auftritte und die Musikvideos, sind für mich ein sehr realer Teil meines Lebens. Aber es ist auch eine Maske. Ich habe oft Sehnsucht nach mehr Schlichtheit. Ich bin ja nicht immer das Glamour-Girl. Ich liebe die Natur und habe schon einige abenteuerliche Sachen außerhalb des Showbiz gemacht.

teleschau: Zum Beispiel?

Minogue: Ich bin schon einmal aus einem Flugzeug gesprungen. Ich habe Heliboarding gemacht, was eine ziemlich verrückte Erfahrung war. Ich war Snowboarden für zwei Wochen. Ich war einige Male Gerätetauchen - das habe ich wirklich geliebt! Ich merke gerade, dass ich mich hier als sehr sportlich darstelle (lacht). Dabei halte ich mich für überhaupt nicht sportlich. Aber es gibt da noch einige Dinge, die ich ausprobieren möchte. Mit dem Rucksack um die Welt reisen, das würde ich liebend gerne tun. Aber eins werde ich garantiert niemals machen ...

teleschau: Was denn?

Minogue: Bungee Jumping! Davor habe ich echt Schiss.

Katja Schwemmers

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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