Kino / Portraits

"Ich hasse Filme ohne Happy End"

Bülent Ceylan spielt in "Verpiss Dich, Schneewittchen!" (Start: 29.03.) eine Putzhilfe, die Rockstar werden will

Bülent Ceylan füllt normalerweise mit seinen Comedy-Programmen wie "Kronk", "Haardrock" und "Lassmalache" riesige Eventhallen. Als der Deutschtürke aus Mannheim vor 20 Jahren als Comedian angefangen hat, nahm ihn kaum jemand zur Kenntnis. Davon kann heute keine Rede mehr sein, denn Ceylan begeistert sein Publikum nicht mehr nur auf der Bühne, sondern erstmals auch auf der Leinwand. Natürlich in einer Komödie und in einer Hauptrolle: In "Verpiss Dich, Schneewittchen!" (Kinostart: 29.03.) spielt der 42-Jährige eine Putzhilfe, die unbedingt Rockstar werden möchte.

teleschau: Hätten Sie sich zu Beginn Ihrer Karriere, vor 20 Jahren, vorstellen können, einmal eine Kinohauptrolle zu übernehmen?

Bülent Ceylan: Das hätte ich so definitiv nicht gedacht. Da wäre ich froh gewesen, wenn überhaupt mal Zuschauer gekommen wären (lacht) - mein größter Traum damals war es einfach, eine Kleinkunstbühne mit 100 Zuschauern füllen zu können.

teleschau: Na, das haben Sie ja geschafft.

Ceylan: Ja und darüber bin ich unglaublich glücklich. Dafür habe ich aber auch hart gearbeitet. Zwar kam da noch ein wenig Glück dazu, aber vor allem viel Ehrgeiz und Fleiß. Auf den Kinofilm bin ich deswegen auch ganz besonders stolz. Denn ich denke, es ist ein Film, für den ich mich weder jetzt noch in zehn Jahren schämen muss.

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teleschau: Wie haben Sie sich denn auf Ihre Filmrolle vorbereitet?

Ceylan: Sehr intensiv - ich hatte einen Schauspielcoach, damit alles authentisch und gut rüberkommt. Denn der Film hat so viel: Witz, eine gute Geschichte und Emotionen. Daher musste ich auch mal aus meiner Komfortzone ausbrechen.

teleschau: Inwiefern?

Ceylan: Na ja, es ist schon ein riesiger Unterschied von der Bühne zu Leinwand. Aber mein Charakter hat es mir recht einfach gemacht, denn Sammy ähnelt Bülent doch sehr. Er ist ein sympathischer Kerl. Allerdings ist Sammy ein wenig frecher als ich. Außerdem haben wir beide ganz unten angefangen. Zwar habe ich nie bei einer Castingshow mitgemacht, aber es ist in der Musikbranche ja auch ein wenig schwieriger, Rockstar zu werden. Was uns aber definitiv eint, ist dieser Ehrgeiz. Deswegen konnte ich mich gut in die Rolle hineinversetzen.

teleschau: Was ist denn der größte Unterschied zwischen einer Performance auf der Bühne und der auf der Leinwand?

Ceylan: Vor allem die Gestik und Mimik sind auf der Bühne viel größer - muss sie ja sein. Je nachdem wie groß die Halle ist, musst du auch ganz hinten alle erreichen. Im Gegensatz dazu ist dein Gesicht auf einer Kinoleinwand riesig. Jedes Zucken, jede Augenbraue ist unglaublich groß, und du musst, um authentisch zu spielen, dein Spiel viel feiner ausarbeiten. Man muss dir ansehen können, was dir im Kopf rumschwirrt. Da reicht es nicht, einfach nur den Text zu lernen - da muss man wirklich fühlen, was man spielt. Dabei hat mir der Schauspielcoach sehr geholfen.

teleschau: Das klingt ja schon nach einer Menge Druck - wie aufgeregt waren Sie denn vor dem ersten Drehtag?

Ceylan: Sehr aufgeregt! Das sind Profischauspieler, die da mit mir gedreht haben. Keine Anfänger wie ich - und dann lastet da schon ein gewisser Druck auf einem. Wenn man alleine an Josefine Preuß denkt - die hat schon als Kind mit der Schauspielerei angefangen. Und dann komm' ich.

teleschau: Das war bestimmt für beide interessant.

Ceylan: (lacht) Ja, auf jeden Fall. Aber sie hat mir im Laufe der Dreharbeiten ein Riesen-Kompliment gemacht.

teleschau: Ach ja?

Ceylan: Ja, sie ging am Anfang davon aus, dass sie sich nicht so anstrengen muss, da ich ja "nur" ein Komiker sei und kein Schauspieler (lacht). Nach zwei Wochen Dreh sagte sie, dass sie sich wohl wirklich anstrengen müsse. Weil ich offenbar doch kein so schlechter Schauspieler sei.

teleschau: Klingt fast, als wollten Sie dauerhaft bei der Schauspielerei bleiben.

Ceylan: Wer weiß? Ich find's halt toll, dass mir ein gewisses Potential nachgesagt wird, und wenn man da einmal Blut leckt, will man einfach mehr. Ich würde auf jeden Fall gerne noch mehr Filme machen, klar.

teleschau: Haben Sie denn Befürchtungen, dass das Publikum den Film nicht ernst genug nimmt, weil es Sie nur als Comedian kennt?

Ceylan: Nun, man muss es so sehen: Ich hatte genügend professionelle Schauspieler an meiner Seite. Es ist nicht nur mein Kinofilm - und vor allem für meine Kollegen hoffe ich, dass der Film ein Erfolg wird!

teleschau: Sie drehten in Hamburg, Köln und München. Welche Erfahrungen machen sie in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands während ihrer Bühnentourneen?

Ceylan: Es gibt unterschiedliche Mentalitäten. Aber letzten Endes wollen die Menschen einfach alle lachen und Spaß haben. Live merke ich schnell, was regional funktioniert und was nicht. Im Rhein-Main-Neckar-Gebiet habe ich es natürlich einfacher. Ich freue mich aber auch sehr auf die Resonanz aus anderen Bundesländern. Ach ja - in München ist im Übrigen mal ein Testscreening zum Film gemacht worden.

teleschau: Wie lief das?

Ceylan: Da war der Film noch gar nicht so richtig fertig und lief vor 300 Münchnern. Da die sich gekringelt haben vor Lachen, wusste ich, dass der Film wohl überall funktionieren würde.

teleschau: Warum sollte man unbedingt "Verpiss Dich, Schneewittchen!" sehen?

Ceylan: Weil es ein Film für die ganze Familie ist. Aus dem Film geht man zusammen raus, und alle haben gelacht: die Oma, der Papa und natürlich auch die Kleinen. Aber der Film hat auch Botschaften: dass man zusammenhalten soll, dass man seinen Traum verwirklichen kann. Der Film macht nicht nur Spaß, sondern er motiviert auch. Außerdem hat er ein Happy End.

teleschau: Das ist ja immer gut!

Ceylan: Ja, denn ich hasse Filme ohne Happy End. In der Hinsicht denke ich einfach schlagermäßig (lacht). Also, ich brauche kein "Friede, Freude, Eierkuchen", aber ich mag es, wenn man Spaß im Kino hat, und das ist bei diesem Film der Fall. Außerdem ist er kurzweilig. Es ist kein Film, bei dem man hofft, dass er bald vorbei ist, sondern sich eher wundert, wie schnell die Zeit doch vergangen ist.

teleschau: Wenn man nach dem Film wieder an Sie herantreten würde und Sie für eine Rolle engagieren möchte - welches Genre würde Sie am meisten reizen?

Ceylan: So'n richtig geiler Actionfilm. Eddie-Murphy-Style, also mit viel Witz. Das wäre was, wo ich direkt dabei wäre!

Sarah Schindler

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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